Strukturierte Daten, offene Schnittstellen und eine verlässliche Datenqualität bilden das Fundament für digitale (KI-)Anwendungen im europäischen Tourismus. Um diese Entwicklungen gemeinsam voranzutreiben, trafen sich die Mitglieder der Open Data Tourism Alliance (ODTA) am 16. und 17. Juni 2026 in Zürich zu ihrer jährlichen Mitgliederversammlung. Vertreterinnen und Vertreter der Deutschen Zentrale für Tourismus, der Landestourismusorganisationen der deutschen Bundesländer waren ebenso anwesend wie Mitarbeitende von Schweiz Tourismus, Österreich Werbung sowie von österreichischen Ferienregionen und Schweizer Kantonen. Das Treffen auf Einladung von Schweiz Tourismus bot Raum für einen intensiven fachlichen Austausch über technologische Trends, internationale Standardisierungsprozesse und die konkrete Arbeit in den Arbeitsgruppen der ODTA.
Technologische Trends im Fokus: Der Weg zum „Agentic Web“
Ein zentraler Impuls der Tagung war die Vorstellung des Digital Technology Radar 2026 durch Schweiz Tourismus. Die Analyse von Technologietrends verdeutlicht eine relevante Entwicklung im Nutzerverhalten: den Übergang vom klassischen Human Web hin zu einem zunehmend von KI-gesteuerten Systemen geprägten Agentic Web.
Für touristische Destinationen bedeutet dies, dass vermehrt KI-Agenten und automatisierte Systeme digitale Reiseplanungen übernehmen. In der Folge steigen sogenannte „Zero Click“-Suchen, bei denen Nutzende direkt in den Suchergebnissen oder über Sprachassistenten Antworten erhalten, ohne die Website der Destination selbst zu besuchen.
Um in diesem Umfeld sichtbar und verlässlich zu bleiben, gewinnt das Konzept des B2A-Marketings (Business-to-Agent) an Bedeutung. Destinationen müssen strukturierte Daten so bereitstellen, dass KI-Modelle diese als authentische und geprüfte Quelle nutzen können. Ein strukturierter Datenpool kann somit dazu beitragen, die Informationsqualität für Reisende auch in Zukunft zu sichern.
Barrierefreiheit im Datenraum: Lösungsansätze und Herausforderungen
Ein weiterer fachlicher Schwerpunkt lag auf der Standardisierung von Zugänglichkeitsdaten. Julian Heeb vom gemeinnützigen Schweizer Verein Ginto gab einen praxisnahen Einblick in die Erfassung von Barrierefreiheitsdaten bei den Eidgenossen. Ginto bündelt Daten aus verschiedenen Quellen und macht sie für Interessierte nutzbar, so für Discover Swiss oder die Stadt Basel.
Dabei zeigten sich länderspezifische Unterschiede bei der Definition und Erfassung – etwa zwischen dem Begriff „barrierefrei“ in Deutschland und „hindernisfrei“ in der Schweiz. Zudem erschweren unterschiedliche gesetzliche Normen (beispielsweise bei Türbreiten) die grenzüberschreitende Vergleichbarkeit.
Ein wichtiges Ziel für die zukünftige Standardisierung ist daher die Entwicklung sauberer Kategorien und Datenstandards innerhalb von schema.org. Die ODTA-Arbeitsgruppen prüfen, wie eine entsprechende Strukturierung für physische Barrierefreiheit die maschinelle Lesbarkeit und Integration in touristische Plattformen erleichtern kann.
Arbeit an der Standardisierung und ISO-Anschlussfähigkeit
Im Bereich der Datenharmonisierung kommt die ODTA einem Meilenstein näher: Aus der Gruppe, die für die Standardisierung von Tourismusdaten zuständig ist, war zu hören, dass der aktuell vorliegende Vorschlag für den neuen ISO-Standard (ISO/TC 228 „Tourism and related services“) eine große Übereinstimmung mit dem ODTA-Standard hat. Sollte der Vorschlag so verabschiedet werden, wäre dies ein wichtiger Erfolg für das Projekt und eine Stärkung der fachlichen Relevanz der Allianz auf internationaler Ebene. Ergebnisse des Prozesses sind im Herbst zu erwarten. Darüber hinaus wurde im Rahmen des Treffens die Ausschreibung zur Vergabe einer Dienstleistung zur weiteren Standardentwicklung bekannt gegeben. Der Auftrag soll bis Anfang 2028 umgesetzt werden und die Pflege sowie den Ausbau von Standards und KI-gestützten Support-Anwendungen unterstützen.
Arbeitsgruppen konkretisieren nächste Schritte
In den drei aktiven Arbeitsgruppen der ODTA wurden in Zürich konkrete Aufgabenpakete für die kommenden Monate geschnürt:
Fazit und Ausblick
Das Treffen in Zürich hat gezeigt, dass die Standardisierung touristischer Daten eine wichtige Grundlage für zukünftige KI-Anwendungen und digitale Services bleibt. Die Verknüpfung von praxisnahen Anwendungsfällen mit international anerkannten Standards schafft bessere Voraussetzungen für alle Beteiligten im digitalen Tourismus. Ein herzlicher Dank gebührt Schweiz Tourismus für die wunderbare Gastfreundschaft!
Das nächste digitale Treffen der Allianz ist für November 2026 geplant. Das nächste physische Treffen wird voraussichtlich in Dresden stattfinden, um den länderübergreifenden Austausch fortzuführen.
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Auf unserem Blog möchten wir Wissen teilen und die Tourismusorganisationen bei ihrer Arbeit unterstützen. In den praxisnahen Fachbeiträgen geben unsere Experten Einblicke in die Arbeit der ODTA und welchen Nutzen die Standards haben. Praxisbeispiele zeigen konkrete Anwendungsfälle.

